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Sie einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen

 

 

Was ist eine Mehrfachbelichtung?

Die Mehrfachbelichtung ist eine Technik aus der Analogfotografie, bei der zwei oder mehr Belichtungen zu einem Bild überlagert werden. Im Unterschied zur gängigen Einzelbelichtung wird der gleiche Filmabschnitt doppelt oder mehrfach belichtet.
Alle Bilder von strehmann.com wurden auf analogem Film-Material unter Anwendung der Mehrfachbelichtung fotografiert. Sie entstehen ausschließlich ohne digitale Bildbearbeitung.

 

Belichtung 1/3
Belichtung 1/3
Belichtung 2/3
Belichtung 2/3
Belichtung 3/3
Belichtung 3/3
Das mehrfachbelichtete Ergebnis
Das mehrfachbelichtete Ergebnis

 

Fotografische Farbfilme unterliegen der additiven Farbmischung. Im Prinzip bedeutet dies, dass das Bild zunächst schwarz ist (es ist noch kein Licht auf den Film getroffen) und mit jedem Auslösevorgang wird der Film weiter belichtet und das Bild bzw. einzelne Bildbereiche dadurch heller.

 

Außerhalb des Belichtungsspielraums eines Farbnegativfilms zu arbeiten würde entweder eine Über- oder Unterbelichtung des Bildes ergeben. Deswegen ist es im Falle von Mehrfachbelichtungen besonders wichtig zu berücksichtigen, dass die Gesamtmenge des Lichtes auf die Anzahl der Belichtungen verteilt werden muss, um innerhalb des zulässigen Kontrastumfangs zu bleiben.

Die erwähnte Lichtmenge, die auf den Film trifft, ist entscheidend für die Deutlichkeit einer Belichtung. Sie bestimmt, wie stark eine Belichtung sichtbar ist und auf welche Art sie mit den anderen Belichtungen verschmilzt: ob sie fast transparent ist, partiell die anderen Belichtungen durchdringt oder hell genug ist, um die anderen Belichtungen ganz zu überlagern.

 

Auf Grund der additiven Farbmischung ist es nicht möglich, ein Bild nachträglich mit weiteren Belichtungen abzudunkeln. Daher ist besondere Vorsicht geboten, wenn es darum geht, die Belichtungswerte der Kamera (hauptsächlich geregelt durch Verschlusszeit und Blendenöffnung) auf die einzelnen Belichtungen abzustimmen und sie zu beurteilen. Je mehr Belichtungen für ein Bild geplant sind, desto ratsamer wird es, auf Belichtungsreihen zurückzugreifen. So lässt sich die Aussicht auf ein gleichmäßig belichtetes Bild erhöhen, auf dem alle Belichtungen miteinander harmonieren.

 
 

 
Dieses Beispiel zeigt, wie Einzelbelichtungen zu einer Dreifachbelichtung verschmelzen. Jede Linie unter dem Bild (grün, rot, orange) steht für eine Belichtung und gibt ihre Sichtbarkeit je nach Position des Schiebers an.
 

Bewegen Sie den Schieber, um die fehlenden Belichtungen zu ergänzen.

 
 
 
 

Wo liegt der Unterschied?

Durch eine geschickte Wahl der kombinierten Motive erhält das Bild eine traumähnliche Wirkung, die es besonders originell und einzigartig macht. Tag und Nacht, Wasser und Himmel, Gesichter und Landschaften: Die Kombinationen an Motiven, welche sich zu einem Bild überlagern können, sind schier endlos. Der Gestaltung nach den eigenen Vorstellungen sind kaum Grenzen gesetzt.

 

Was die Mehrfachbelichtung besonders spannend macht, ist eine gewisse Unvorhersehbarkeit, was die Harmonie der Belichtungen zueinander angeht und wie das Ergebnis letztendlich aussieht. Obgleich er durch gewissenhaftes Vorgehen bis auf ein überschaubares Maß reduziert werden kann, ist es genau dieser Aspekt des Zufalls, der einen gehörigen Teil zum lebendigen, organischen Stil des fertigen Bildes beiträgt.

 

Das Glücksgefühl, welches sich beim erstmaligen Betrachten des Ergebnisses einstellt, ist für jedes Bild auf’s Neue eine großartige Belohnung. Es entschädigt für den Aufwand und ist nach wie vor so überwältigend wie in den Anfangstagen.

 
 

Die Ausrüstung

Zum Einsatz kommt die Canon EOS 5 (Kleinbild-Spiegelreflex) mit einer Gittermattscheibe, um eine akkurate Positionierung der Bildelemente zu ermöglichen. Manuelle M42-Objektive verschiedener Brennweiten von Pentacon und Carl Zeiss Jena werden um das umfassende und sehr variable Filtersystem von Cokin ergänzt.

 

Für gewöhnlich werden die Belichtungen auf Kleinbild-Farbnegativfilm (ISO 100) fotografiert, hin und wieder finden auch Schwarzweiß-Infrarotfilme ihren Weg in die Kamera.

Der Ablauf

Den meisten Ideen liegt ein starkes Gefühl oder eine Stimmung zu Grunde. Diese so klar und authentisch wie möglich in eine Bildsprache zu übertragen ist oft ein langwieriger und herausfordernder Prozess. So entsteht ein visuelles Konzept, das zum einen nah am ursprünglichen Gefühl und zum anderen mit verfügbaren Mitteln umsetzbar sein sollte.

 

Das Konzept ähnelt einem Umsetzungsplan, der Überlegungen umfasst wie die Wahl der Motive, die Anzahl der Belichtungen, ihre Gewichtung zueinander und die Reihenfolge, in der sie fotografiert werden, den Einsatz von Farb- und Effektfiltern oder die Art, wie Belichtungsreihen miteinander kombiniert werden. Weiterhin wird festgehalten, welche Accessoires benötigt werden und möglicherweise auch, ob gewisse Konstruktionen im Vorfeld angefertigt werden müssen.

 

Oftmals beinhaltet das Konzept für ein Bild sowohl Studio- als auch Außenaufnahmen. Jedes Werk ist eine neue Herausforderung, weil die indivduellen Konzepte verlangen, sich der Umsetzung immer aus einer anderen Richtung zu nähern. Deswegen passt der Begriff »Experiment« ebenso gut zu kommenden Projekten wie zu den frühen Arbeiten aus dem Jahr 1999.

 

Während einer Belichtung werden die Belichtungswerte, der Einsatz von Filtern, die exakte Position eines Motivs innerhalb des Bildbereiches und weiteres notiert. Nachdem eine Belichtung für den ganzen Film erfolgt ist, wird er zurückgespult und für die verbleibenden Belichtungen wieder in die Kamera eingelegt.

 

Geduld wird immer dann zu einer Tugend, wenn ein Konzept es erfordert, auf eine bestimmte Mondphase, einen wolkenlosen Himmel, Schneefall oder gar eine andere Jahreszeit zu warten.

 

Sobald alle Belichtungen für ein Bild erfolgt sind, wird der Film entwickelt und daraufhin mit einem Negativscanner digitalisiert. Bevor ein Werk online geht, wird es behutsam optimiert. Die digitale Bearbeitung ist jedoch hierbei strikt beschränkt auf Gradation, Farben und Schärfe, was bei der Digitalisierung von Negativen nahezu unumgänglich ist. Sie hat keine Auswirkung auf die Montagen.