Das Kunstwerk … | LYRIK

Das Kunstwerk

 

Das Kunstwerk
 
Schon viele Winter ist es her
und doch wiegt mir das Herz noch schwer
So höret, wie es dazu kam
die Tragik ihren Anfang nahm
 
Ein neues Schuljahr brach herein
und jeder war für sich allein
Der Ort, die Lehrer war’n uns fremd
Gebaren wachsam und gehemmt
 
So stieß ich bald zur Jungenschar
Hier wurde er mir einst gewahr
Verstohlen war mein Blick entrückt
Bezaubernd die Figur geglückt!
 
Wir suchten Rückhalt in der Not
und scheuer Trost hielt uns im Lot
Vom Spiel der Formen inspiriert
hat meine Neugier ihm gebührt
 
Dem Sturm der Jahre nicht gefeit
erwehrten wir uns ihm zu zweit
Halbierten Sorgen mit Humor
war’n unbeschwerter als zuvor
 
Nur Tölpeln blieb die Sicht verwehrt
auf einen Geist noch unversehrt
Doch ging mir Platon viel zu nah
Ich wusste kaum, wie mir geschah
 
Athletisch, prächtig die Statur
Berauscht gerat ich aus der Spur
wenn Anmut die Gestalt verwöhnt
und Jugend die Ästhetik krönt
 
Adonis wäre blass vor Neid
im Lichte seiner Herrlichkeit
die stolz sich auf die Schultern legt
und meine Fantasie anregt
 
In Würde hin zur Brust gelenkt
sich auf die schlanke Taille senkt
und Unschuld, die ihn heut noch ziert
entlang der Lenden sich verliert
 
Die Augen bergen einen Glanz
von tugendreicher Eleganz
Nur einmal möcht ich ihn berührn
den Atem auf der Wange spürn
 
Verwünschte Träume kreisen wild
Narziss nennt mich sein Ebenbild
Ist töricht, wer es nicht erkennt
dass lichterloh die Seele brennt
 
Ich trau mich endlich, lad ihn ein
zu mir auf’s Land und ein Glas Wein
Er nimmt es an, ja freut sich sehr!
Für mich gibt es kein Morgen mehr
 
Wir reden, feixen ungestört
Die Venus hat den Mond beschwört
Er fässt verwegen den Entschluss
und schenkt mir schüchtern einen Kuss
 
Ergriffen sein Gemüt sich regt
Mein rasend Herz schlägt unentwegt
in Ehrfurcht vor dem jungen Herrn
denn gleich und gleich gesellt sich gern
 
Die Schöpfung hat es gut gemeint
und nur das Beste kühn vereint
zu einem Wesen, es ist wahr:
Ein Kunstwerk ist er ganz und gar
 
Sie schuf mit Präzision den Mann
den nie ein Künstler je ersann
Doch was wär schon ein Abbild wert
wenn nur das Echte mich betört?
 
Und was mir bleibt ist nur dein Duft
steigt aus den Daunen, färbt die Luft
mit Bildern von dir, in der Nacht
durch einen Atemzug entfacht

 

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